Geschichte des Brückenkopfs vor dem 2. Weltkrieg


Der Elbübergang bei der Stadt Torgau wurde schon immer geschützt. Im Jahre 1631 befahl daher der Kurfürst Johann Georg, eine Brückenschanze anzulegen. Diese befand sich westlich des heutigen Geländes. Die heutige Anlage entstand mit dem Ausbau der Stadt Torgau zur Festung im Jahre 1810.

Im Jahre 1813 wurde Torgau durch preußische Truppen belagert. Während dieser Belagerung wurde der Brückenkopf aber nicht ernsthaft angegriffen. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Torgau preußisch und das preußische Militär nutzte fortan Torgau als Festung.

In der Zeit der Nutzung durch die Preußen entstand auch der heute noch erhaltene Rundbau, den man als Defensionskaserne bezeichnet. Sie entstand in den Jahren 1855-1859. Der Brückenkopf diente als Kaserne für verschiedene Regimenter und in Kriegszeiten als Gefangenenlager. So auch in den deutschen Einigungskriegen.

Im Deutsch-Französischen Krieg wurden 9000 Mann (Offiziere und Mannschaften) aus den Festungen Metz und Sedan im Brückenkopf gefangen. Während die Offiziere im Brückenkopf untergebracht waren, zelteten die Mannschaften auf dem Gelände zwischen Brückenkopf und Werdau.

Am 25.11.1891 besichtigte Kaiser Wilhelm II. den Brückenkopf, anlässlich der Jubiläumsfeier des III. Pionierbataillons von Rauch. In der Zeit des 1. Weltkrieges nutzt man den Brückenkopf wieder als Militärgefängnis, für englische und französische Offiziere. Im Gegensatz zum 2. Weltkrieg, wo der Alltag der Gefangenen von Misshandlungen und Arrest geprägt war, war der Brückenkopf im 1. Weltkrieg dafür bekannt, dass es die Gefangenen sehr gut hatten. Gute Verpflegung und kulturelle Betreuung erleichterten den Offizieren den Aufenthalt.

Nach Ende des 1. Weltkrieges, endete die militärische Nutzung des Brückenkopfes. Das Gebäude wurde nun als Wohnraum genutzt. In der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges, diente der Brückenkopf als Wohnraum für Umsiedler. Später nutzten viele staatliche Einrichtungen wie z.B. GST oder die Zivilverteidigung das Gelände.


Das Wehrmachtgefängnis Brückenkopf


Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Kaserne auf dem Torgauer Brückenkopf und das umliegende Festungsgelände wurden im Zweiten Weltkrieg als Militärstrafanstalt betrieben. Unmittelbar vor dem deutschen Überfall auf Polen ließ der Landrat das zivil genutzte Brückenkopfgelände räumen. Bis zum 27. August 1939 wurde es zur Haftstätte umgebaut.

Mit dem Brückenkopf erhielt der Standort Torgau zu Beginn des Zweiten Weltkrieges neben Fort Zinna ein zweites Militärgefängnis. Es unterstand in den ersten Kriegsmonaten noch dem Kommandanten von Fort Zinna, erhielt aber im Herbst 1939 den Status eines eigenständigen Wehrmacht- gefängnisses.

Links im Bild:
Innenhof des Wehrmachtgefängnisses Torgau-Brückenkopf. Aufnahme vor 1945. Der rechte Gebäudeteil wird heute von der IG Rock e.V. genutzt.


Mit dem Umbau der ehemaligen Kaserne und der Errichtung zweier Häftlingsbaracken im November 1939 war Torgau-Brückenkopf für die Aufnahme von etwa 1000 Gefangenen vorgesehen. Bereits am 8. Januar 1940 war das Gefängnis "voll belegt". Wie im Wehrmachtgefängnis Fort Zinna wurden hier deutsche Soldaten, die von Militärgerichten wegen Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung, Desertion oder krimineller Delikte verurteilt worden waren, unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten.

Unter den Gefangenen befanden sich auch ausländische Kriegsgefangene und Wehrmacht- angehörige aus den besetzten europäischen Ländern, die zum Teil in die deutsche Wehrmacht zwangsrekrutiert worden waren und Angehörige des deutschen und europäischen Widerstands.

Links im Bild:
Wehrmachtgefängnis Torgau-Brückenkopf.
Haupteingang mit Schilderhäuschen und einem Wachsoldaten. Der grasbewachsene Rundbau links wurde nach dem Krieg abgerissen.


Der Haftalltag in den beiden Torgauer Wehrmachtgefängnissen Brückenkopf und Fort Zinna war durch militärischen Drill und eine erniedrigende Behandlung bestimmt. Schikanen und Misshandlungen prägten wie mehrstündiges Exerzieren, Arrest, Dunkelarrest in Isolation, Prügelstrafe und Kürzungen der ohnehin knappen Essensrationen die Haft.

Kurz vor dem historischen Zusammentreffen der US-amerikanischen und sowjetischen Truppen in Torgau am 25. April 1945 ließen die Gefängniskommandanten Fort Zinna und Brückenkopf evakuieren. Die Häftlinge des Wehrmachtgefängnisses Brückenkopf wurden bereits am 14. April in Marsch gesetzt. US-amerikanische Truppen befreiten sie schließlich am 8. Mai 1945 im sächsischen Markersdorf.

Links im Bild:
Der Brückenkopf in einem amerikanischen Luftbild vom 20. April 1945, fünf Tage vor dem Zusammentreffen von sowjetischen und US-Soldaten in Torgau. Rechts sind Gefangenbaracken zu sehen. Im unteren Ende des Hauptgebäudes sitzt heute die IG Rock e.V.




Text und Fotos © Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau
Stiftung Sächsische Gedenkstätten

www.diz-torgau.de