Vereinsgeschichte


Nun sind es schon weit über 10 Jahre, seit mit der Gründung der IG Rock die Odyssee der Torgauer Punkrockszene ein Ende fand. Und zwar just an dem Ort, wo sie knapp 5 weitere Jahre zuvor Ihren Anfang nahm. Denn kurz nach der Wende war der BK bereits ein erstes Mal vom Untergrund der Stadt zum Domizil auserkoren worden, was aber seitens der Stadt nur kurzzeitig toleriert wurde. Nach einer "Durststrecke" und der vorübergehenden Besetzung des ehemaligen Jugendklubs "Kaffeegarten" fand man im Jugendhaus Elbstraße 23 zunächst einen ebenso öffentlichen wie unsicheren neuen Anlaufpunkt.

Die Wahl des Objektes, im Schatten von Schloss Hartenfels gelegen, wurde von der Öffentlichkeit allerdings recht bald als sehr unglücklich empfunden. Die Jugend, die sich allabendlich in diesem "Schandfleck im Angesicht der Stadt" traf, störte dies indes wenig. Sie nutzte jede sich bietende Möglichkeit zur Interaktion und fräste damit binnen weniger Jahre den Punk endgültig ins Bewusstsein der Torgauer Bürger, die dann auch bereitwillig und wohlwollend die Rückkehr der Punx in den BK unterstützten.

Der Brückenkopf Torgau hat sich in den vergangenen 13 Jahren in der Regie der IG Rock e.V. als soziokulturelles Zentrum in der Vereins- und Clublandschaft unserer Region fest etabliert. Er ist Austragungsort von größeren und kleineren Konzertveranstaltungen, Tanzabenden, Photoausstellungen und Lesungen, sowie beliebter Treffpunkt ambitionierter Krawallmacher und trinkfreudiger Desperados. Den meisten Leuten ist er aber auch nur ganz vulgär als dekadente Brutstätte des Torgauer Punkrock, der sich inzwischen auch überregional einen Namen machen konnte, bekannt und nicht selten zumindest geachtet.

Die Geschichte des BK unter dieser Flagge begann bereits kurz nach der Wende, als sich, entgegen dem allgemeinen Trend in der wiedervereinigten Republik, in Torgau eine erste feste und teils auch recht renitente Szene herausbildete. Diese kleine, wackere Schar besetzte kurzerhand die Räumlichkeiten im Nordflügel, gegenüber den heutigen Veranstaltungsräumen.
Nachdem sich die Wendewirren fürs erste gelegt hatten, fand sich aber im Torgauer Rathaus schnell der Konsens, dass die neu errungene demokratische Grundordnung auch in leerstehenden Gebäuden gewahrt und verteidigt werden müsse und so fanden sich die Geächteten nach einem kleinen Polizeieinsatz schnell auf der Straße wieder. Danach spielte sich das kulturelle Leben zunächst jenseits von Torgaus Mauern bzw. lediglich in seinen Kneipen ab.

Nächste nennenswerte Station auf dem Weg ins Jetzt war die spontane Besetzung des Kaffeegartens in Kooperation mit einigen Vertretern des rechten Spektrums im Winter 92/93. Das strapazierte aber das Verständnis der damaligen Stadtväter zu sehr bzw. sprengte Ihr kleinkariertes Weltbild. Wenigstens wurde der Rausschmiss aus der als ehemaliger Jugendklub sehr ansprechenden Immobilie diesmal mit einem Ausgleichsobjekt versüßt. Jedoch blieb eine historische Chance zur Entwurzelung der Rechten in unserer Stadt dadurch ungenutzt.

Das neue Objekt, an der damals im Bau befindlichen neuen Elbbrücke, hatte auch Charme. Allerdings fehlte das Wichtigste: Ein ordentlicher Veranstaltungsraum. Das steigerte allerdings die Bereitschaft, sich selbst mal eben schnell die Gitarren umzuhängen und erste Proberäume (NECROCIDE, DIRTY RAIN, SPERRZONE) entstanden. Die Hausbar wurde gut frequentiert und regelmäßig wurde am Lagerfeuer bis in die Morgenstunden gezecht und lamentiert, während mittels Wiedergabe geliebter Tonträger die musischen Bedürfnisse der Anwohnerschaft ergänzend befriedigt wurden.

Hier gingen nach einigem Hin und Her auch zum jährlichen Elbe- Day die ersten Punkkonzerte in Torgau über die Bühne. Historisch belegt wird dies am Besten durch die legendären Videos von Torgau- TV, die qualitativ den aufstrebenden Newcomern onstage in nichts nachstanden.

Doch dann kam im September `96 der Tag der Sachsen in unsere Stadt und ich lernte, dass manchmal etwas Pragmatismus gar nicht schaden kann. Wenn sich die Leute meines Schlages damals behauptet hätten, würden wir wohl heute noch im Rosengarten sitzen und von richtigen Konzerten in unserer Stadt träumen.

Mein 3 Jahre später leider viel zu früh verstorbener Freund Murmel war da anders. Denn er erkannte im Anliegen der Stadt, das an der Paradestrecke gelegene Punkerhaus während des Besuchs von Herrn Professor Biedenkopf zu schließen, nicht nur die Repressalie, sondern auch eine einmalige Chance. Und er nutzte sie! Bisher hatte die Stadt alle Bestrebungen unsererseits abgewiesen, wenn wir die Rückkehr in den Brückenkopf thematisierten. Doch plötzlich war man aufgeschlossen, ja bot sogar Unterstützung an, als Murmel nunmehr in diese Richtung argumentierte. Der Deal klappte und der Tag der Sachsen wurde zur Einzugsparty, denn wir fanden uns mitsamt unseren Instrumenten im Handumdrehen dort wieder, wo alles begonnen hatte.

Doch danach begann die eigentliche Arbeit: die Gründung des Vereins, das Herrichten der Räume, die Organisation der ersten Konzerte, des Barbetriebes etc. Auch der Wandel in den Köpfen musste erst einsetzen: vom Outlaw mit Sozialarbeiter zum eingebundenen Vereinsmitglied mit Eigenverantwortung und Vorbildwirkung. Bei mir dauerte das ziemlich lange. Erst der Tod von Murmel, der selbstredend erster Vereinsvorsitzender geworden war, zwang mich zur Aufgabe meiner selbstgefälligen Haltung und lehrte mich, was Punk außer Komasaufen und rumhängen noch so alles bedeuten kann...

Der Verein lebt und hat inzwischen schon Höhen und Tiefen gesehen. Aber er hat sich dank des ewigen Generationskonfliktes bis heute immer wieder erfolgreich regeneriert ohne seine Wurzeln zu vergessen.
Der Weg ist das Ziel!

CHEERS Norbert/SPERRZONE